Montag, September 25, 2017

Die Wahrheit über die Reichweite von Elektroautos

Die Wahrheit über die Reichweite von Elektroautos

Auto, Motor und Sport (AMS) hat vor kurzem (Sommer 2014) einen Reichweitentest aktueller Elektroautos vorgenommen. Hierbei kamen die Autos nicht besonders gut weg. Die Werte, die AMS angegeben hatte, waren so schlecht, dass ein Aufschrei der Entrüstung durch die Elektroautoszene ging. Was war passiert?
Haben Sie schon mal von einem Test mit einem Auto mit Verbrennungsmotor  gehört, bei dem das Auto angelassen wurde, dann die Klimaanlage eingeschaltet wurde (Außentemperatur 30 Grad) und der Innenraum des Autos auf 20 Grad abgekühlt wurde. Danach wurden mit dem Auto 30 Km gefahren und dann wurde der Spritverbrauch hochgerechnet plus 20% Aufschlag um der Spritproduktion gerecht zu werden? Nein.  Aber so ähnlich hat AMS das gemacht! Bei einem Verbrenner würde man bei dieser Methode auf über 20 Liter Sprit auf 100 Km kommen. Bei einem Elektroauto ist das ganz ähnlich. AMS kam beim Nissan Leaf auf eine Reichweite von nur 71 Km bei einer Geschwindigkeit von 120 Km/h (NEFZ Reichweite 199 Km). Der TESLA kam statt auf 502 Km NEFZ Reichweite auf lächerliche 184 Km.
Zu Recht braute sich ein „Shitstorm“ der Elektroautofahrer über AMS auf.  Selten wurden Elektroautos so massiv in den Dreck gezogen wie in diesem „Test“. Dass der TÜV mit im Boot war, macht das Ganze noch schlimmer.
Es dauerte nicht lange, da fanden sich viele Elektroautofahrer zusammen um die Tests vom AMS als falsch zu entlarven. Sie fuhren – unter ähnlichen Bedingungen – so lange bis das Auto leer war. So kam der Nissan Leaf von 71 Km (AMS) bei 120 Km/h genau 118 Km weit, bei einer Geschwindigkeit von 90 Km/h schaffte er sogar 158 Km. Der AMS hat sich um satte 67% „vermessen“. Beim TESLA wurden statt 184 Km (AMS) 363 Km geschafft.   Hier hat sich der AMS um 97% „vermessen“.
Wahr ist folgendes: Elektroautos schaffen weniger Reichweite, je schneller sie fahren und je kälter es ist! Elektroautofahrer wollen aber auch nicht rasen, die fahren mit angepasster Geschwindigkeit – zumindest wenn man lange Strecken auf der Autobahn unterwegs ist.
Da der AMS einen kWh – Verbrauch von rund 30 kWh auf 100 Km für den Leaf errechnet hat, hier mal echte Zahlen von einem echten Elektroautofahrer, der schon über 2 Jahre mit dem Leaf unterwegs ist – nämlich von mir selbst. Mit meinem Leaf bin ich nun rund 17.000 Km gefahren. Davon 10% auf der Autobahn, 70% auf der Landstraße und 20 % in der Stadt. Ich habe einen kWh – Zähler vor meiner Ladestation und habe, die wenigen Male als ich „Fremdgeladen“ habe, die kWh  dazu addiert. Ich komme rechnerisch auf einen Verbrauch von 17,5 kWh/100 Km. Hierbei ist der Verlust über die Wallbox und die Leitungen und das Ladegerät mit drin. Ebenso eingeschlossen ist,  wenn ich mein Auto an der Ladestation im Winter vorgeheizt habe. Ich komme also auf eine Durchschnittsreichweite von 137 Km. Das passt. Ich schaffe im Sommer etwas über 145 Km und im Winter rund 120 Km. Ich fahre den „alten“ 2011er Leaf mit einem NEFZ Wert von 175 Km. Das neue Modell hat einen NEFZ Wert von 199.

Schafft man eigentlich den NEZF Wert von 199 Km in der Realität? Jein. Fährt man mit dem Leaf rund 40-50 Km/h dann kann man die 200 Km Marke knacken.
Ich bin übrigens auf der Autobahn meist schneller unterwegs, da ich selten lange Strecken fahre. Es wäre möglich den Leaf noch sparsamer zu bewegen. 15 kWh/100 Km sollten machbar sein.

Bei dem Realtest der Elektroautofahrer fuhren insgesamt 40 Fahrzeuge mit. Übrigens fuhr ein Tesla Fahrer ohne Zwischenladung von Hilden bis nach Ostfriesland und zurück. Der Rekord wurde von einem Tesla Fahrer mit 558 gefahrenen Km und einer Restreichweite von 10 Km aufgestellt!

 


Ralf Becker