Donnerstag, März 30, 2017

Fahrbericht

 

Es gibt viele Begriffe, welche bei Fahrberichten bzw. Testberichten verwendet werden: spritzig, dynamisch, sportlich, anzugsstark, spurtfreudig. Vergessen Sie diese bei einem Elektroauto. Jeder der sich seine Ersatzbefriedigung mit viel PS, hoher Geschwindigkeit und "sattem Sound" sucht wird von einem Elektroauto sehr enttäuscht sein. Es ist leise, hat eine Endgeschwindigkeit von rund 100 Km/h und einen durchschnittlichen Anzug.   Citroen Saxo Innenaufnahme

 


Warum also macht solch ein Auto trotzdem Spaß?

Es ist das Gefühl des Dahingleitens, leise und sehr schadstoffarm. Wenn andere im "stop and go" ihre Kupplung und Bremsen strapazieren "tanke" ich beim bremsen durch die so genannte "REKUPERATION". Dabei wird der Elektromotor als Generator benutzt und wandelt die Bremsenergie in Strom, um die Akkus zu laden. Früher habe ich mich über die langen Rotphasen der Ampeln geärgert - der Motor lief und man verbrauchte Sprit und verpesstete die Luft. Heute kann die Ampel 5 Minuten rot zeigen - ich brauche schließlich im Stehen so gut wie keine Energie und daher ärgert mich das nicht mehr.
Die Straßenlage des Saxo Electrique ist einzigartig. Durch seinen sehr tiefen Schwerpunkt ist das Fahrzeug sehr stabil, was besonders in Kurven zum Tragen kommt.

Das Auto ist so leise, dass man etwas auf Fußgänger und Radfahrer achten muss. Bis jetzt ist mir allerdings noch keiner vor das Auto gelaufen.
Es gibt keine Kupplung und keine Gangschaltung. Um den Rückwärtsgang "einzulegen" langt ein simpler Knopfdruck am Armaturenbrett. Die Lenkung ist präzise und natürlich Servounterstützt. Es gibt elektrische Fensterheber, eine Radiovorrüstung und einen Fahrerairbag. Im unteren Bereich bis 60 Km/h ist der Saxo Electrique sehr anzugsstark, danach aber eher schwächer. Kurze Autobahnabstecher sind kein Problem.
Richtig wohl fühlt sich der Saxo Electrique in der Stadt, hier hat man keine Probleme mit den anderen Verkehrsteilnehmern mitzuhalten. Wäre da nicht die Ladeklappe an rechten Kotflügel, so würde niemand merken, dass es sich hier um ein Elektroauto handelt! Passanten merken es erst, wenn man in ruhigen Gegenden durch Tempo 30 Zonen fährt. Sie sollten sehen, wie hoch Fußgänger springen können, wenn man sich langsam anschleicht um dann 2 Meter hinter Ihnen unvermittelt die Hupe zu betätigen :-)
Nun - ganz so leise ist es natürlich nicht, schließlich hört man die Abrollgeräusche der Reifen und einige Servopumpem.
Ich hatte vor einigen Jahren einmal die Möglichkeit einen Hotzenblitz Probe zu fahren. Man erregte damit mehr Aufmerksamkeit als mit einem gelbgepunketen Ferrari. Der Saxo Electrique ist dagegen eher unscheinbar und kaum als Elektroauto zu erkennen. In der Stadt fällt es eher weniger auf, wenn man mit einem nicht zu hörenenden Motor an der Ampel zwischen lauter brummenden Autos steht. Im Winter ist es schon eher auffällig - es fehlen die weißen Dunstwolken die sich normalerweise aus dem Auspuff quälen.


Warum ich mir dieses Auto überhaupt zugelegt habe? Nun; zum einen macht das Fahren selbst Spaß - zum anderen hatte ich es satt, daß zwar jeder von Umweltschutz spricht, sich aber niemand dafür einsetzt. Viele halten sich - nur weil sie ihren Müll trennen - schon für nobelpreisverdächtige Umweltschützer. Mir war das zu wenig. Ich möchte aktiv - auch gegen den Widerstand von Lobbyisten - selbst etwas beitragen.

Durch die Anschaffung einer 5 kWp und einer 2,7 Solarstromanlage fahre ich mittlerweile schadstoffrei, die erzeugte Energie langt sogar noch, um einen den Stromverbrauch meiner Familie zu decken.