Mittwoch, Juli 26, 2017

Atomkraft

 

Auf den ersten - sehr oberflächlichen - Blick erscheint die Atomenergie billig und umweltfreundlich zu sein.  Doch massive Subventionen mit Steuergeldern, ungeklärte Kosten und Risiken der Endlagerung, teure Castortransporte, hohe Kosten durch den Abbau des Urans, dessen "Veredelung", eine ungenügende Versicherung und der Rückbau von Uranbergwerken, machen sie zu einer der teuersten und alles andere als Co2-freien Energieform.
Der Anteil des Atomstroms am weltweiten Stromverbrauch beträgt gerade einmal 3-4 %. Die Abwärme wird ungenutzt an die Umwelt abgegeben - und das sind immerhin 70% der erzeugten Energie. Nur 30 % der Energie wird effektiv genutzt.

 



 

 

Der angebliche „Kostenvorteil“ der Atomenergie beruht auf staatlichen Forschungs- und Entwicklungsausgaben in einer Höhe von weltweit über 1.000 Mrd. US-Dollar. Etwa 90 % aller Forschungs- und Entwicklungsausgaben flossen bisher in die Atomenergie. Dabei wird gerade einmal 3 % des Weltstrombedarfs von Kernkraftwerken gedeckt. Sie bleibt damit weit hinter den erneuerbaren Energien zurück. Dieser Förderung der Atomenergie standen in den letzten 30 Jahren weltweit nur 20 Mrd. US-Dollar für die Forschung und Entwicklung Erneuerbarer Energien und 30 Mrd. für Markteinführungshilfen gegenüber.
Wenn jede Windenergie- und Solaranlage voll haftpflichtversichert werden muss, dann sollte  das doch erst recht für risikoreiche Atomkraftwerke gelten. Niemand versteht, warum es nur eine symbolische Atom-Haftpflichtversicherung gibt, die weniger als 0,1 Prozent der bei einem Super-GAU erwarteten Schäden deckt. Die Ärzteorganisation IPPNW weist darauf hin, dass laut Prognos-Studie im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums bei einem Atomunfall Schäden bis zu 5500 Milliarden Euro zu erwarten seien. Die Deckungsvorsorge für ein Atomkraftwerk liege aber nur bei 2,5 Milliarden. Haftpflichtversichert sei ein Atomkraftwerk sogar nur mit 0,5 Milliarden Euro.
Voll haftpflichtversicherter Windstrom ist bereits heute (2008) in Deutschland für unter 10 Cent pro Kilowattstunde zu bekommen. Laut Bundesumweltministerium würde Atomstrom hingegen bis zu 2 Euro pro Kilowattstunde kosten, wenn die externen Kosten berücksichtigt werden würden.
Oft wird behauptet, dass  die "billige" Atomkraft den Strompreis senken kann. Doch der Preis auf dem Strommarkt wird durch das so genannte "Grenzkostenprinzip" gebildet. Der Preis für Strom wird dabei durch das jeweils teuerste Kraftwerk bestimmt, das noch benötigt wird, um die Stromnachfrage zu decken. Den Menschen vorzugaukeln, dass eine Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke den Strompreis sinken lassen würde, kann als Betrug am Wähler angesehen werden. Der eigentliche Grund der Laufzeitverlängerung ist offensichtlich: Alleine Block A in Biblis wirft jeden Tag, an welchem es sich am Netz befindet, rund eine Million Euro Gewinn für RWE ab.
Zur Strompreisbildung und zum Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) hat das Bundesumweltministerium folgendes veröffentlicht:
"Das Bundesumweltministerium vertritt außerdem die Auffassung, dass das EEG aufgrund der speziellen Preisbildungsmechanismen auf dem Strommarkt in den letzen Jahren einen deutlichen Preis dämpfenden Einfluss auf die Stromhandelspreise in Deutschland ausgeübt hat".
Nicht Atomenergie macht also die Strompreise günstiger sondern ein weiterer Ausbau der Regenerativen Energien.
Nicht gerade beruhigend ist die Zahl der meldepflichtigen Ereignisse in den ältesten Atomkraftwerken. Spitzenreiter ist Brunsbüttel mit 427 meldepflichtigen Ereignissen, es folgen Neckarwestheim 1 mit 385, Biblis B mit 380 und Biblis A mit 354 Meldungen. Ebenso mit über 300 meldepflichtigen Ereignissen glänzen die Werke Philippsburg 1 (335), Stade (313, jetzt stillgelegt), Unterweser (311) und Krümmel (303) (Stand Ende 1. Quartal 2007).

Auswahl zweier schwerer Störfälle in Deutschland:

AKW Biblis A, 1987: Kühlmittelleck im Primärkreislauf des Kraftwerks. Dadurch kam es fast zu einem GAU.

AKW Brunsbüttel, 2001: Im Dezember kommt es nur wenige Meter vom Reaktordruckbehälter entfernt zu einer schweren Wasserstoffexplosion. 

Auch wenn nicht jeder Störfall gleich zur Katastrophe führt, können wir nur von Glück reden, dass in Deutschland bisher nicht mehr passiert ist. Atomkraftwerksbetreiber handeln nach dem Motto: verschweigen, verschleiern, nur zögerlich Informationen zugänglich machen. Zusätzlich gibt zu viele ungelöste Probleme, die gegen die Atomkraft und Atomkraftwerke sprechen: Gefährliche Transporte, wachsende strahlende Müllberge, die Weiterverbreitung der Atombombentechnologie sowie die Gefahr terroristischer Anschläge. Nur eins ist sicher: Abschalten!


Im Jahr 2007 gab es in Deutschland im Bereich der Erneuerbaren Energien bereits 250.000 Arbeitsplätze – Tendenz rasant steigend. Die deutsche Atomwirtschaft beschäftigt gerade einmal 30.000 Menschen. Durch Erneuerbare Energien wird mittlerweile ca. 14 % des Strombedarfs gedeckt. 100 % Deckung sind möglich: Die Erde erreicht jede Stunde mehr Sonnenenergie, als die gesamte Menschheit in einem Jahr verbraucht. Radioaktive Abfälle  aus den Kernkraftwerken strahlen noch ca. eine Million Jahre. Das Forschungsbergwerk Asse hat gezeigt, dass die Endlagerung bisher nicht machbar ist. Der Betreiber von Asse „hofft, dass keine Radioaktivität freigesetzt werden wird“ (ARD Interview Juli 2008). Dies zeigt die Unbeherrschbarkeit der Endlagerung. Über 80.000 Tote durch Tschernobyl sollten eigentlich schon Warnung genug sein: Im Moment sind wir auf dem besten Weg uns aus der atomaren Geiselhaft zu befreien. Einen anderen Weg einzuschlagen wäre ein ökologischer und ökonomischer Irrweg.


Nachfolgend noch ein Auszug eines Artikels auf der Sonnenseite von Franz Alt, welcher als Grundlage einen Bericht des BUNDESVERBANDES CHRISTLICHE DEMOKRATEN GEGEN ATOMKRAFT (CDAK), CDU/CSU 2008 verwendet:

"......Diese externen Kostenfaktoren bei der Erzeugung von Kernkraftstrom hat, übrigens schon unter der Regierung von Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl, das damalige Bundeswirtschaftsministerium 1992 durch die renommierte Baseler PROGNOS AG berechnen lassen. Diese Studie der PROGNOS AG trägt den Titel: „Identifizierung und Internalisierung der externen Kosten der Energieversorgung.” Aus ihr geht hervor, dass bei Berücksichtigung der externen Gesamtkosten der wirkliche für die deutsche Volkswirtschaft entstehende Preis einer Kilowattstunde Kernkraftstrom schon damals circa 4 DM betragen hat. Das wären heute circa 2 €."

Nach neusten Untersuchungen (September 2009) kostet die kWh Atomstrom sogar 2,70 Euro. Hier wurden sehr wahrscheinlich die Kosten für Asse und Gorleben mit eingerechnet. Es ist nicht nachzuvollziehen, warum der Energieerzeuger mit Atomstrom Milliarden verdienen und der Steuerzahler die Müllentsorgung bezahlen soll. Siehe hierzu: Link unten (Franz Alt)

Quellen:
ARD

IPPNW
BMU
Franz Alt 2008