Montag, Mai 29, 2017

Vorstellung NISSAN LEAF

[UPDATE 02/2017] Mittlerweile gibt es das 2016er Modell mit 30 kWh Akku und einer Reichweite von 250 KM.

[UPDATE] Mittlerweile ist die neue Version (2013) des Nissan Leaf erschienen. Unterschiede zum Modell 2011:

- bessere Heizung (Wärmetauscher)
- g
ößere Reichweite
- größerer Kofferraum
- Batterie - Leasing möglich
- mehrere Modellvarianten erhältlich und weitere Neuerungen...

 

Seit Anfang 2012 ist er auf dem Markt: Der Nissan Leaf. Die Außenansicht des 4,45 Meter langen und 1,77 Meter breiten Leaf wurde absichtlich nicht zu futuristisch gewählt um eher konservative Autokäufer nicht abzuschrecken. Trotzdem ist die Außenansicht auffällig und markant und hat einen hohen Wiedererkennungswert. Der Leaf hat im Euro NCAP Crashtest maximale 5 Sterne und somit die höchste Punktzahl aller getesteten Elektroautos erhalten. Auch in allen Einzeltests erhielt er die höchste Punktzahl überhaupt. Weit über dem Durchschnitt lag er beim Test zur Fußgängersicherheit. Die Lithium Akkus widerstanden problemlos allen Aufprallarten (Frontalcrash, Seitencrash etc.). Auch die automatische Abschaltung der elektrischen Systeme bei einem Crash funktionierte völlig ohne Probleme. 

 

 

  

 

Das Innenleben des Leaf überrascht mit einem hohen Komfortangebot. Die edlen Sitze in einem dezenten Beige , harmonieren sehr gut mit dem wertigen beigen und grauen Kunststoff der Armaturen. Die Sitzbezüge sind aus recycelten Plastikflaschen hergestellt worden. Trotz der sensiblen Farbe sind sie erstaunlich pflegeleicht.  

 

Die Mittelkonsole hat ein großes Ablagefach, welches auch als Armlehne benutzt werden kann. Armlehne offen Armlehne geschlossen

 

Herausragender Mittelpunkt des Cockpits ist das 7 Zoll Touch - Farbdisplay. Auf ihm können alle Informationen abgerufen werden. Es dient als Navigationsgerät und zur Verwaltung aller Einstellungen. Der Aufbau der Menüs ist logisch und klar strukturiert. Es ist elektronisch schwenkbar und darunter kommt der CD Einlass des Autoradios zum Vorschein. Display

 

 

 

usb Der Leaf besitzt mehrere Multimedia Schnittstellen, darunter einen praktischen USB Anschluss und eine Bluetooth Schnittstelle zur Kopplung eines Handys. Über auf dem Lenkrad angebrachte Bedienelemente können z.B. der Tempomat, die Spracherkennung oder die Anzeige der Reichweite auf dem Touch – Display aktiviert werden. 

 

 

 

Reichweitenanzeige Wählt man die Anzeige der Reichweite, so wird diese auf einer Landkarte als Kreis dargestellt. Weiterhin werden die Ladestationen innerhalb der Reichweite  angezeigt. Klickt man auf eine Ladestation kann diese als Navigationsziel gewählt werden. Die Ladestationen werden automatisch über das CARWINGS System aktualisiert. CARWINGS ist die Schnittstelle des LEAF zur Außenwelt. Über eine SIM Karte im Fahrzeug werden die wichtigsten Daten des LEAF (Verbrauch, Ladestand, Durchschnittsverbrauch, Zeit zum Wiederaufladen etc.) an NISSAN übermittelt. Über die Homepage von NISSAN oder über ein Smartphone können diese Daten abgerufen werden. Weiterhin kann über das CARWINGS System z.B. eine am Computer geplante Route direkt an das Navi des LEAF übertragen werden. Man kann also bequem von zu Hause (oder unterwegs) am eigenen Rechner eine Route planen und dann übertragen. Das CARWINGS System erlaubt es auch die Klimafunktion des LEAF zu aktivieren. So kann man die Heizung oder die Kühlfunktion bequem unterwegs vom Handy aus aktivieren. Beim Eintreffen am Auto ist die Innenraumtemperatur im angenehmen Bereich.

 

 

 

Auch kann der Ladetimer eingestellt werden oder – falls das Ladekabel angeschlossen wurde – die Ladung aktiviert werden. Alle Sicherheitsfunktionen sind „keyless“. D.h es langt den Fahrzeugschlüssel in der Hosentasche zu haben um die Türen zu öffnen oder den LEAF zu starten.  Timer

 

 

 

 

Rücksitz Der LEAF ist ein Fünfsitzer. Die Akkus befinden sich unter den Rücksitzen und unter den Vordersitzen. Die Hauptanzahl der Akkus befindet sich unter den Rücksitzen. Daher ist die Sitzposition auf der Rückbank etwas erhöht. Trotzdem ist die Kopffreiheit -  auch für Personen bis 1,90 Körpergröße -  ausreichend.

 

 

 

Der Kofferraum hat Golfgröße.  Der Motorraum wirkt aufgeräumt und übersichtlich. Kofferrraum

 

 

 

 

Anzeige Das Starten des LEAF wurde schon des Öfteren mit „Raumschiff Enterprise“ verglichen, ein Vergleich dem ich mich nur anschließen kann. Die Beschleunigung – welche mit rund 11 Sekunden auf 100 Km/h angegeben ist – fühlt sich in der Realität deutlich schneller an. Gerade bis 70 Km/h erinnert sie eher an einen Sportwagen. Der LEAF springt beim Beschleunigen an der Ampel geradezu  auf die 50 Km/h. Durch die lineare Beschleunigung bei einem Drehmoment von  280 Nm  lässt der LEAF beim Spurt aus dem Stand so manchem Sportwagenfahrer irritiert aus der Wäsche schauen. Der LEAF erfüllt somit nicht das Klischee des spaßfreien Ökomobils. Unterstützt wird dieser Eindruck noch bei eingeschaltetem Soundgenerator. Dieser liefert bis 30 Km/h ein Anfahrgeräusch, welches entfernt an einen startenden Düsenjäger erinnert.

 

 

 

Auch beim Rückwarts fahren liefert der Soundgenerator ein Geräusch welches Fußgänger warnt. Die Rückfahrkamera des LEAF gestattet ein sicheres zurücksetzen. Viele Informationen und Funktionen - wie z.B. die Aktivierung der Spracherkennung - wird über die Steuerelemente, welche auf dem Lenkrad angebracht sind - aufgerufen.  Cockpit

 

 

 

 

Leaf Die Reichweite des LEAF ist mit 175 Km angeben. Sie hängt aber stark von den äußeren Umständen wie Temperatur, Geschwindigkeit und anderen Dingen ab.  Beim abholen des LEAF hätte ich rund 170 Km erreicht. Dies hing damit zusammen, dass ich das Auto innerhalb von 2 Tagen leer gefahren habe und auf der Autobahn nur 100 Km/h gefahren bin. Überschreitet man die 100 Km/h sinkt auch die Reichweite. Zurzeit fahre ich den LEAF meist innerhalb von 4-5 Tagen leer. Meist versuche ich ökologisch zu fahren manchmal ist mein Fahrstil aber eher sportlich. Daher schaffe ich im Schnitt nur 150 Km. Zusätzlich brauchen die Akkus  erst einige Zyklen um Ihre volle Leistungsfähigkeit zu erlangen. Die kommenden Monate werden mehr Aufschluss bringen.  Starter

 


 

Gewöhnungsbedürftig - aber durchdacht-  ist die Restreichweitenberechnung des LEAF. Die Restreichweite wird immer anhand der aktuellen Fahrdaten berechnet. Schaltet man also die Klimaanlage ein, so reduziert sich die Reichweite um 12 Km.  Der LEAF rechnet sich das so aus: „Wenn Sie für den Rest der Fahrt die Klimaanlage mit den gewählten Temperatureinstellungen laufen lassen, dann werden Sie Energie für 12 Km verbrauchen“.  Das Gleiche gilt auch für Bergauffahrten. Fährt man bergauf, so reduziert sich die errechnete Reichweite drastisch. Auch hier ist die Aussage „Wenn Sie weiter diese Steigung mit der gewählten Geschwindigkeit nehmen, dann schaffen Sie noch X Km.“.  Der LEAF kann nicht ahnen, dass man die Strecke auch wieder zurück fährt. Dann aber bergab. Die Reichweite wird bei der Rückfahrt dann natürlich wieder steigen. Wenn man  diese Art der Berechnung erst einmal verstanden hat, hat man  auch keine Probleme mehr mit dem Einschätzen der Restreichweite. In vielen Tests von renommierten  Automagazinen wird dies als Negativpunkt dargestellt. Ich persönlich finde die Berechnung der Restreichweite des LEAF sehr gut gelungen. Man muss nur bedenken, dass es eine fluktuierende Anzeige ist, welche sich immer nach dem aktuellen Verbrauch richtet. Etwa bei15 Km Restreichweite warnt eine freundliche weibliche Stimme davor, dass der Ladestand niedrig ist.

 

 

Um die Energie des LEAF möglichst sparsam einzusetzen sollte man immer im ECO Modus fahren. Dazu schaltet man mit dem Wählhebel, zweimal auf "D". Mit dem Wählhebel kann man den Rückwärtsgang einlegen (nach links vorne drücken), den normalen Gang "D" indem man ihn nach links und hinten bewegt und ECO indem man ihn nochmal nach hinten links bewegt. Drückt man den Hebel 2 Sekunden nach links, wird in "N" geschaltet. Der LEAF hat eine elektrische Feststellbremse. Mit dem "P" Taster wird in den Parkmodus geschaltet - er entspricht dem eingelegten ersten Gang wenn man einen Verbrenner parkt. Scheinwerfer

 


  Bedienelemente Tür
Der LEAF kann mit dem beigelegten Notladekabel an jeder beliebigen Steckdose innerhalb von maximal 12 Stunden vollgeladen werden. Es ist allerdings ratsam eine fest installierte Ladestation – z.B. die Ladestation für den Ampera von Opel -  zu benutzen. Sie kostet rund 340 Euro.  Die maximale Ladezeit sinkt damit auf 7 Stunden. Hat man es eiliger, so kann man eine Schnellladestation benutzen. Diese lädt den LEAF innerhalb von 20 Minuten auf 80 % Kapazität auf. Schnellladestationen werden zurzeit von RWE und EON aufgebaut. Voll ausgebaut sind mittlerweile die A1 und A2 zwischen Köln und Hamburg. Auch bei allen LEAF Händlern, welche den LEAF anbieten,  sind Schnellladestationen vorhanden. Durch die Möglichkeit der Schnellladung sind auch Urlaubsfahrten bis 300 Km mit dem Auto machbar.  

 

Verbesserungsmöglichkeiten:
- Die Rekuperation  - also das zurückspeisen von Energie beim Bremsen bzw. wegnehmen von „Gas“ - könnte stärker ausfallen. Bei Bergabfahrten muss man öfters von der Bremse Gebrauch  machen. Hier könnte man Reichweite gewinnen.

- Schaltet man die Lüftung  ein, so wird auch die automatische Temperatursteuerung aktiviert. Es wird also entweder gekühlt oder geheizt. Manueller Lufteinlass – ohne  Temperaturanpassung  - ist nur im passiven Modus (also ohne Lüfterbetrieb) – möglich. Schaltet man also die Lüftung ein, reduziert sich die Reichweite unnötigerweise.

Fazit: Der LEAF ist ein rundum gelungenes Familienfahrzeug. Er präsentiert sich qualitativ sehr hochwertig und absolut alltagstauglich für 80% der Autofahrer (80 % der Autofahrer fahren weniger als 80 Km pro Tag). Er amortisiert sich nach rund 10 Jahren (bei einer Laufleistung von 10.000 Km pro Jahr, verglichen mit einem klassenähnlichen Fahrzeug wie z.B. dem Toyota Auris). Würden Elektroautos – wie in den meisten anderen Ländern – auch in Deutschland mit z.B. 5.000 Euro gefördert werden, würde sich der LEAF innerhalb von 5 Jahren amortisieren.  Im Gegensatz  zu meinem ersten Elektroauto – dem Citroen Saxo Electrique – ist der LEAF ein Quantensprung.  Er ist Sieger des „Car of the year“ 2011.

Fakten und Anmerkungen:

- Elektroautos wurden bei Pro7 als „Autos für Reiche“ bezeichnet. Wer rechnen kann ist allerdings klar im Vorteil: Der Gesamtpreis von Elektroautos liegt – gerechnet über 10 Jahre – im gleichen Preisband wie ein vergleichbarer Verbrenner. Die Stromkosten des LEAF liegen bei 3,50 Euro auf 100 Km. Ein vergleichbarerer Verbrenner liegt hier deutlich über 10 Euro. Elektroautos sind 10 Jahre steuerfrei. Die Versicherung ist günstiger. Die Wartungskosten sind deutlich geringer.

- Die Reichweite des LEAF ist mit 150-170  Km absolut ausreichend. Dank seiner Schnellladefähigkeit sind selbst Fahrten über 300 Km machbar – sofern Schnellladestationen vorhanden sind. 80% aller Menschen fahren nicht mehr als 80 Km am Tag. Ich persönlich fahre circa. 4 mal im Jahr eine Strecke bei der ich den LEAF nicht oder nur eingeschränkt benutzen könnte. Für diese Strecken benutze ich meinen Verbrenner. Der Verbrenner ist eindeutig mein Zweitfahrzeug.

- Mir ist schleierhaft warum  der ADAC die Reichweite des LEAF mit 95 bis 105 Km angibt. Ich schaffe, selbst bei sportlichem Fahrstil mit eingeschalteter Klimaanlage,  über 130 Km. Bisher habe ich immer zwischen 150 und 170 Km geschafft. Möglicherweise ist – durch die seit Jahren auf Verbrennungstechnologien ausgerichtete Sicht des ADAC  - noch nicht die nötige personelle Kompetenz in Sachen Elektromobilität aufgebaut worden.

-  Da sich die Kapazität der Akkus erst voll aufbauen muss, lade ich den LEAF die ersten 2.000 Km immer ganz voll und fahre ihn möglichst bis auf 10 – 30 Km Restreichweite leer. Erst danach werde ich in den 80% Modus wechseln. Dabei wird der Akku nur bis 80 % aufgeladen. Die Lebensdauer der Akkus wird somit maximiert. Trotzdem sollte man bei jedem 10. Ladevorgang voll laden um ein Auseinanderdriften der Akkus zu verhindern. Dies ist eine persönliche Empfehlung von mir, allerdings ohne Gewähr.

- Autobild meint, dass man  sich bei der Energieanzeige des LEAF in einen Physik Leistungskurs versetzt fühlen würde und sich der Touchsreen des LEAF daher besser als Kaffeehalter eigne. Ich kann Autobild nur raten die Einstellungsanforderungen Ihrer Reporter zu überprüfen.

 

Ein weiterer Bericht - mit ähnlichen Schlussfolgerungen - ist hier zu finden.

Hier noch ein Test aus Österreich.

Bericht der Frankfurter allgemeinen Zeitung